Inside Out

Mein Innen nach Außen drehen


Durchatmen

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Ich habe Musik auf den Ohren und werde erstmal die Augen schließen und ein paar Mal tief atmen, bevor ich schreibe…

Ich bin erschöpft, weil heute ein emotional und sozial herausfordernder Tag war. Angefangen beim Morgen, an dem ich die letzten Dinge für eine Reise eingepackt habe. Trotzdem habe ich was vergessen. Ist aber nichts ganz Wichtiges, doch ich habe es erst spät abends bemerkt und konnte so nicht für Ersatz sorgen.

Die Fahrt heute war von der Verkehssituation sehr entspannt und gerade fällt mir auf, dass wir nicht einmal das Hörspiel zu Ende angehört haben, was mich wundert, weil da als Gesamtspielzeit 1 Stunde und 11 Minuten angegeben ist. Wir sind bei Track 17 von 21 angekommen und waren etwas über zwei Stunden unterwegs… das, was mich ab der Hälfte der Fahrt beschäftigt hat, war die Sache, dass meine Jüngste sich übergeben hat. Ich kenne das von ihr, wenn sie mit ihrem Vater unterwegs ist, doch ich habe einen ganz anderen Fahrstil und bei mir ist es noch nie vorgekommen. Sie ist leider Vollprofi und somit habe ich das Glück, dass sie Bescheid gibt und ich noch bis zu fünf Minuten Zeit zum Reagieren habe. Ich weiß, dass ich mir nicht allzu viele Gedanken machen sollte, vielleicht war es heute eine Ausnahme, doch mir ist lieber, dass ich vorsorglich Zipper-Beutel im Auto deponiere, als nochmals überrascht zu werden. Ich hoffe inständig, dass es heute eine Ausnahme war, weil ich sehr mit meinem Kind mitfühlen würde, wenn sie sich nun auch bei mir regelmäßig im Auto übergeben müsst… durchatmen! Gedankenkarussel stoppen! Zipperbeutel im Auto deponieren ist ok. Sich im Vorwege deswegen zu viele Gedanken machen tut mir nicht gut und ist absolut nicht hilfreich! Atmen…

Vielleicht hätte ich mich zum Schreiben doch an den Tisch setzen sollen, so ganz gemütlich ist es im Bett mit dem Laptop auf dem Schoß ja nicht… atmen… den Duft von Pfefferminze und Grounding einatmen… feststellen, dass die Kopfschmerzen schon weniger geworden sind und die Schokolade, die gerade im Mund schmilzt, genießen… Augen schließen und atmen…

Heute war sehr viel Besuch bei meinen Eltern. Es war eine Verabschiedung einer Familienangehörigen, die für die letzten Jahre ihres Lebens den Kontinent wechselt, weil ihre Kinder dort leben. Insgesamt war es ein schönes Beisammensein. Es wurde viel erzählt, sich erinnert, gegessen und ich fragte mich, warum Familien sich so selten zusammenfinden, um gemeinsam Erinnerungen auszutauschen? Meine zwei Kinder waren die einzigen Kinder und saßen die ganze Zeit bei uns. Die Ältere war fasziniert von der Menge an Personen, die zu unserer Familie gehören und noch überraschter, als sie hörte, dass noch einige Personen fehlen. Das herausfordernde war der Abschied und ich stellte wieder fest, dass ich Abschiede von denen man weiß, dass es ein letztes Mal sein wird, einfach schwerer sind. Ich frag mich gerade, warum wir Menschen so sehr festhalten.

Das interessante war: mein Gefühl war ein: schön, dass ich meine Verwandte nochmal gesehen habe, doch ich hatte nicht das Gefühl weinen zu müssen. Spoiler: natürlich habe ich geweint… warum? Weil ich sehr oft mitweine, wenn andere weinen und es gab sehr tränenreiche Umarmungen, Küsse und noch mehr Umarmungen. Ich wollte nicht weinen und tat es doch. Ich bin recht nah am Wasser gebaut, ich weine viel und leicht… letztlich war es ganz viel Liebe, die heute zu sehen war. Da zeigte sich, wie sehr Menschen Zuneigung voneinander treffen abhängig machen und was auch sehr deutlich war: Die eigenen Entscheidungen für sich zu treffen und nicht um anderen einen Gefallen zu tun. Denn: der Wohnortwechsel ist emotional so nachvollziehbar und gleichzeitig so egoistisch, weil die eigenen Entscheidungen und die eigenen Wünsche über diejenige Person gestellt wurden, die letztlich so viel hinter sich lassen soll… sehr viele Tränen galten heute gar nicht dem Abschied, sondern dem was hinterlassen wird, ohne diesen Schritt wirklich gehen zu wollen.

Nach dieser Verabschiedung fuhr ich mit meiner Mutter einkaufen und führte ein langes Gespräch… während des Gesprächs spürte ich schon sehr deutlich, wie meine Batterie für soziale Interaktion sich immer weiter leerte. Ich merke das daran, dass ich innerlich unruhig werde, gleichzeitig auch körperlich müde und ich kündigte an, dass ich die Gesprächspartnerin gern heimfahre.

Trotz dieser Erschöpfung hatte ich noch Sorge dafür zu tragen, dass die Kinder ins Bett gehen, und ich wollte mir noch ein paar Gedanken aus dem Kopf schreiben… ich bin müde, doch es war gut zu schreiben. Es geht mir besser. Es ist raus. Ich kann schlafen gehen, ohne dass diese Gedanken alle noch in mir sind. In Vorbereitung aufs Schreiben, habe ich mir bewusst Zeit genommen zu atmen und auch zwischen den Themen, war es mir immer wieder wichtig kurz innezuhalten und zu atmen.

Gleich werde ich mich gründlich strecken und das Licht löschen. Der Tag kann abgeschlossen werden. Ich kann mich über Nacht erholen und morgen neu starten.

Atmen, Augen schließen und reinspüren, ob noch etwas geschrieben werden möchte: Ich darf mich selbst daran erinnern mich früher aus Gesprächen rauszuziehen, die mir Energie ziehen. Ich darf mich zurückziehen, um aufzuladen. Das ist mir heute weniger gut gelungen. Das ist ok. Das ist vollkommen ok! Ich bin ok! Genau so wie ich bin mit all dem, was ich fühle! 😊

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