„All I ever wanted in my life is a house on the ocean..“ so beginnt ein Lied der Kelly Family aus der Zeit, als sie noch auf der Straße Musik machten…
Was ist das, was du schon immer in deinem Leben wolltest?
Wovon hast du als Kind oder in deiner Jugend geträumt?
Was davon ist Realität geworden und was sind Träume geblieben oder sogar geplatzt, wie eine Seifenblase?
Ich wollte als Jugendliche Hebamme werden. In der 9. Klasse habe ich mein Praktikum auf der Entbindungsstation einer privaten Klinik absolviert. Ich habe Mamis in Mehrbettzimmern täglich nach ihrer Temperatur und nach ihrem Stuhlgang gefragt ( ohne zu wissen, was das eigentlich ist, glaube ich *lach*). Ich habe bei einem Kaiserschnitt im OP stehen dürfen und anschließend das Besteck gesäubert.
Ich habe bei einer vaginalen Geburt dabei sein dürfen und sollte der Gebärenden das Knie stützen, während sie in den Presswehen lag. später zog ich das frisch gewaschene Baby an, hatte Angst dem zarten Wesen die Arme zu brechen, wenn ich sie durch die Jackenärmel steckte und ich traute mich kaum meine Füße anzuheben, als ich das Baby auf einem Kissen über den Flur zu seinen Eltern ins Zimmer brachte… und frag mich gerade, warum mir kein Bettchen hingestellt wurde, wo ich das Baby sicher hätte über den Flur fahren können.
Ich wurde keine Hebamme, weil ich kurz nach meinem Abschluss erst mein 16. Lebensjahr vollendete und die Hebammenschule erst mit 17 Jahren aufnahm. Ich wurde auch das Jahr darauf keine Hebamme, weil mich die Angst überkam. Angst mir all das medizinische Wissen nicht aneignen zu können und Angst Fehler zu begehen, die Leben kosten könnten. Ich glaube, dass ich eine gute und einfühlsame Hebamme geworden wäre. Ich glaube auch, dass meine Mutterschaft eine noch einfühlsamere Hebamme aus mir gemacht hätte.
Nachdem ich keine Hebamme wurde, wusste ich nicht, was ich stattdessen werden wollte. Meine Seifenblase zerplatze… ebenso fast der Wunsch nach der Realschule aufs Gymnasium zu wechseln. Ich hatte eine 4 in Mathe bekommen. Voller Unschuld sagte ich, wie es war: Keine Ahnung, was ich jetzt mache. Ich wollte aufs Gymnasium und jetzt kann ich nicht. Ich war hoffnungslos und so wurde in der Zeugniskonferenz beschlossen, dass ich mündlich wohl doch besser mitgearbeitet hatte und eine 3 bekommen sollte.
Ich ging aufs Gymnasium und verließ es zwei Jahre später, weil ich in diesen zwei Jahren nur die Kelly Family im Kopf hatte… UPS!
Ich war also zwei Jahre älter und noch immer ahnungslos… nach Erzählungen meiner Mutter hatte ich ihr angeboten, dass ich ihren Haushalt mache. Meine ältere Schwester und meine Mutter wollten mich darin nicht unterstützen und ich erinnere mich an einen langen Tag, an dem wir von Berufsschule zu Berufsschule fuhren, um meine Möglichkeiten abzuwägen… und landeten beim Jugendamt, wo ich mich um ein Freiwilliges Soziales Jahr bemühte.
Noch immer ahnungslos, was ich mit meinem Leben anfangen sollte, aber mit der bitteren Wahrheit kämpfend, dass es für mich wohl kein Leben an der Seite meiner Kelly Liebe gab, arbeitete ich fünf Tage die Woche täglich acht Stunden in einer Kita in der Braunschweiger Innenstand. Die ersten Monate fiel ich nachmittags bereits ins Bett, weil ich unfassbar müde war.
Ich zwang mich die Liebe meiner Jugend ziehen zu lassen, weil mich die Sehnsucht drohte zu zerfressen… an dieser Stelle brauch ich eine kurze Pause, um zu atmen. Atmen… Schmerz, Sehnsucht, Trauer, Liebe und Dankbarkeit fühlen… denn das größte Geschenk meiner Liebe zu Jimmy Kelly war und ist: meine intensive Gefühlswelt und die Verbindung zu meiner Intuition.
Ich wurde Erzieherin, weil eine Mitarbeiterin des Kindergartens etwas in mir sah, das für mich normal war und mir den Vorschlag machte diesen beruflichen Weg einzuschlagen.
Heute möchte ich mein jüngeres Ich in den Arm nehmen und ihr sagen: „Liebe jüngere Heidy, liebes jüngeres Ich. Ich bin jetzt 43 Jahre alt und möchte dich wissen lassen, dass nahezu alle Erfahrungen im Leben einen Sinn haben. Sei beruhigt, denn die Welt und ihre Ansichten werden sich wandeln. Aktuell ist es deutlich zu spüren, wie immer mehr Menschen die alten Ansichten für sich hinterfragen. Ich kann dir versichern, dass du dich nicht mit einem Job identifizieren musst, weil du noch so viel mehr als ein Beruf bist und dass du das eines Tages selbst spüren wirst – ich spüre es. Genieß sein Leben. Hör auf dein Herz und deine Impulse, die du wahrnimmst. Die Erfahrungen in deinem Leben werden dich prägen und dich zu einer Persönlichkeit formen, die sich liebt. Ich liebe mich. Mit all meinen Facetten, Erfahrungen und Gefühlen. Du hast Entscheidungen getroffen, die mein jetziges Leben beeinflusst haben, doch ich habe es in der Hand für mich neue Entscheidungen zu treffen. Du trägst nicht die Verantwortung für ein ganzes Leben. Du trägst die Verantwortung fürs Jetzt! Du hast dein Jetzt ganz wundervoll gelebt und ich lebe es weiter! Danke für dich!“
Vor vielen Jahren und Jahrzehnten oder gar Jahrhunderten waren die Wege der Kinder quasi schon mit der Geburt festgelegt. teilweise war klar wer wen heiratet oder Berufe wurden von Generation zu Generation vererbt. Du bist in einer Medizinerfamilie natürlich Mediziner geworden usw. Hast du einen anderen Weg eingeschlagen, dann wurdest du oft als das schwarze Schaf betitelt, manchmal verstoßen und enterbt.
Das gibt es noch heute! Glaub nicht, dass wir das schon überwunden hätten. Ein Vorteil der Familie, die nicht mehr in einem kleinen Dorf aufwächst ist, dass die Entfernung zur Sippe dazu beiträgt, dass wir mehr uns Selbst spüren und uns leichter von Ansichten befreien können, die uns nicht entsprechen.
Aktuell arbeite ich in einer Kita, als Erzieherin. Wobei sich deutlich zeigt, dass mein Interesse sich von de Kindern auf die Erwachsenen verlagert. Ganz viele Warums schleichen sich in meinen Kopf. Immer öfter stelle ich die Fragen oder (wenn erwünscht) teile ich meine Sichtweisen oder gebe Perspektivenwechsel. Ich spüre, dass den Kindern noch mehr geholfen wird, wenn die Erwachsen bewusster werden…
„Go ahead and dream. Dream as far as you want…“ ertönt es gerade in meinen Kopfhörern.
Träume. Fühl rein, welche Träume Realität werden wollen und lass dich nicht abhalten, weil andere deine Träume für zu groß halten… denn wenn alle „Träumer“ sich hätten abhalten lassen, dann führen wir noch immer in Pferdekutschen herum und hätten weder Smartphones oder Flugzeuge.

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