Inside Out

Mein Innen nach Außen drehen


Marathon

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2008/2009 begann ich zu Laufen. Erst waren es ein paar Runden um einen kleinen Teich in meiner Nachbarschaft, später immer länger werdende Strecken, bis es meine Routine war jeden zweiten Tag nach der Arbeit eine Runde von 4km in eine Richtung und 4km zurück zu Laufen. Locker und easy going mit Musik im Ohr für mich allein. Ich mochte keinen Muskelkater, also dehnte ich mich vorher und danach. Außerdem lief ich dementsprechend, dass ich zwar spürte, dass ich gelaufen war. Nach der warmen Dusche rieb ich meine Beine mit Franzbranntwein ein und war mir sicher, dass es gut war.

Beim Laufen konnte ich den Kopf abschalten (weil der mit Musik hören beschäftigt war), Stress loslassen und mich fit halten. Ein Träumchen.

Ich kaufte mir Laufbücher (eins sogar zweimal, weil ich es dann doch mal verlegte und vergaß, dass ich es besaß *lach*), nur um beim Lesen festzustellen, dass mir mein Freestyle Training besser gefiel.

In dieser Zeit entstand der Wunsch eines Tages einen Marathon zu laufen. Einfach, um es zu schaffen. Einfach, weil der Weg das Ziel war…

Eines schönen und eisigen Tages im Winter 2009 hatte ich die Idee um die Alster laufen zu wollen. An sich wäre die Runde mit ca 7,5km locker zu schaffen gewesen, doch ich setzte noch eins obendrauf und lief von meiner Wohnung noch ca 3,5km zur Alster hin…

Eins vorweg: Ich schaffte den Weg! Die Zeit war für die Witterung und der Tatsache, dass ich von jetzt auf gleich meine Runde beinahe verdoppelt hatte, zufriedenstellend… ich lief nämlich einfach weiter.

Das für mich faszinierendste am Laufen war der Punkt, den es zu überwinden gilt, damit die Beine einfach weiterlaufen… Ich überwand ihn… wobei die letzten zwei Kilometer heftig waren. Ich lief weiter…

Zu Hause angekommen dehnte ich mich, massierte mir die Beine, duschte war, rieb mich ein und wusste, dass ich übertrieben hatte. Ich wusste, dass ich am nächsten Tag Muskelkater deluxe haben würde und hasste es bereits…

Ja! Es war heftig! Ja, ich verfluchte meine Sturheit. Doch das Schlimmste war: Ich hörte auf zu Laufen…

Es gab in den Jahren danach immer wieder den Gedanken wieder anzufangen zu Laufen… für die Fitness, für meinen Kopf, für den Marathon… doch ich tat es nicht oder ließ mich schnell entmutigen.

Schade Marmelade *Schulter zucken mit Schmollippe*

Vor einiger Zeit schlich sich das Bild des Marathon laufens wieder in mein Hirn. Über Umwege. Ich schnallte lange nicht, dass sich da ein Wunsch meldete…

Kurzer Human Design Exkurs: Generatorentypen sollen ihrer Freude folgen, um das sakrale Feuer am Lodern zu halten, was ihre Lebensenergie darstellt. In der englischen Literatur steht allerdings nichts von JOY, sondern von Satisfaction. Es geht also um Zufriedenheit. Mein Bild war: Marathon laufen sind sicher keine 42km voller Freude und einem fetten Grinsen im Gesicht. Gestartet wird motiviert, irgendwann folgen wahrscheinlich Schmerz, vielleicht auch Verzweiflung oder der Wunsch aufzugeben… doch an der Ziellinie erwartet einen neben Erschöpfung in meiner Vorstellung das krasse Gefühl von absoluter Zufriedenheit und Freude, Stolz und Erfüllung.

Vor ein paar Tagen zeigte sich das Bild erneut bezüglich meiner aktuellen beruflichen/finanziellen Situation und es war krass, denn das erste Mal seit Jahren habe ich das Gefühl das Ziel im Blick zu haben und mit jeder Faser meines Körpers zu fühlen, dass der Weg dazugehört. Ein Weg der motiviert gestartet wird. Ein Weg, der vielleicht auch schmerzhaft wird oder Verzweiflung hervor rufen wird… doch das Gefühl die Ziellinie zu passieren steht über dem. Ich fühle mich und ich will das unbedingt!

Es ist, als wäre etwas vom Kopf in den Körper gerutscht, als ob ich in all meinen Facetten fühlt, dass dies unser Weg ist. Wissentlich, dass ich nicht den ganzen Weg lang grinsen werde, doch mit der Gewissheit, dass Menschen am Wegesrand stehen, die mir Wasser und Snacks reichen. Menschen, die mich anfeuern und mich motivieren, wenn ich aufgeben will. Menschen, die mich daran erinnern, dass ich das Ziel erreichen möchte und was ich dann fühlen werde.

Ich schließe meine Augen und ich weiß, dass die Zeit gekommen ist. Ich habe lang genug herum geeiert und Ausreden gefunden. Ich will es!

Ich weiß, dass sich dieses Bild des Marathons auch auf andere Lebensbereiche auswirken wird und heute habe ich erstmals den Gedanken gehabt, dass der Marathon vielleicht nicht nur ein Bild bleiben wird. Vielleicht ist der Marathon Teil oder Abschluss des Weges.

Eines habe ich definitiv gelernt: Ich darf meiner Intuition vertrauen. Ich darf selbst fühlen, wann ich mich fordere und wann es Überforderung ist. Ich gehe meinen Weg und ich bin Expertin für mein Leben. Ich kenne mich ziemlich gut und bin bereit hinzusehen, zu atmen, mich auf allen Ebenen zu versorgen und die Ziellinie zu passieren.

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